© RHENUS · Referenzraum
Renatus-Rhenus von Felshaken

Hier bin ich – Wo bist du?

Mein innerer Antrieb bestand von Anfang an darin, das Leben in seiner Gänze zu erfahren und zu erleben – nicht nur hier und da in seinen einzelnen, abgespaltenen und fragmentierten Bereichen, sondern in seinen Zusammenhängen, aufbauend und weiterentwickelnd. Womöglich liegt genau darin der Ursprung meines weiteren Weges.

Schon früh waren mir Qualität, saubere Umsetzung, tragfähige Ergebnisse und ein stimmiges und logisches Miteinander wichtig. Gleichzeitig nahm ich immer wieder wahr, wenn etwas nicht zusammenpasste: wenn Strukturen ihre Funktion nicht erfüllten, Funktionen nicht in den Vollzug gingen, Ergebnisse nicht aus ihren Voraussetzungen heraus tragfähig waren oder unterschiedliche Bereiche zwar nebeneinander existierten, jedoch nicht wirklich miteinander verbunden waren.

Lange Zeit standen viele dieser Wahrnehmungen zunächst einfach nebeneinander. Erfahrungen waren vorhanden, Zusammenhänge spürbar, Wirkungen sichtbar – doch ihr Ursprung ließ sich nicht immer erkennen. Es gab Erscheinungen, deren tiefere Ordnung sich noch nicht erschloss, und Wirkungen, deren Zustandekommen zunächst verborgen blieb.

Ich begann deshalb nicht damit, mir eine bestimmte Lehre zu suchen, die mir das Leben erklären sollte. Ich ging hinein.

In unterschiedliche Bereiche. In unterschiedliche Strukturen. In unterschiedliche Formen des Handelns, Arbeitens, Denkens und Erlebens.

Mein Weg führte mich durch handwerkliche und technische Zusammenhänge, durch nautische und militärische Bereiche, durch Organisation, Wirtschaft und Recht, durch medizinische und therapeutische Fragestellungen, durch Sport und körperliche Entwicklung, durch zwischenmenschliche und familiäre Zusammenhänge und ebenso durch philosophische, psychologische, tiefenpsychologische, spirituelle und religiöse Betrachtungsweisen. Hinzu kamen später die intensive Auseinandersetzung mit Tensegrity und Mechanotransduktion, Bewegungskoordination, Leistungsentwicklung, Regeneration und Verletzungsmechanismen sowie die praktische Entwicklung eigener digitaler Arbeits- und Referenzräume.

Dabei ging es mir nie darum, möglichst viele Fachgebiete zu beherrschen, wovon ich erheblich entfernt bin.

Ich wollte verstehen, wie etwas tatsächlich funktioniert.

Ich wollte erfahren, was geschieht, wenn eine Struktur in den praktischen Vollzug kommt. Was trägt. Was nicht trägt. Wo eine Funktion tatsächlich aus ihrer Voraussetzung hervorgeht und wo nur eine scheinbare Funktion aufrechterhalten wird. Welche Wirkungen aus einer Entscheidung entstehen. Welche Rückkopplungen folgen. Und was geschieht, wenn ein Zusammenhang an einer bestimmten Stelle unterbrochen, verschoben oder durch eine fremde Vorgabe überlagert wird.

Ich habe mich deshalb auf diese Bereiche eingelassen. Nicht aus der Distanz, sondern so weit, dass ich ihre innere Logik erfahren konnte.

Doch ich habe mich ihnen nicht in ihrer Gänze überlassen.

Das ist für meinen weiteren Weg entscheidend geworden.

Ich konnte mich innerhalb einer Struktur bewegen, ohne meinen eigenen Bezugspunkt an diese Struktur abzugeben. Ich konnte ihre Regeln erfahren, ihre Funktionen übernehmen, ihre Möglichkeiten nutzen und ihre Grenzen kennenlernen, ohne daraus meine eigene Ordnung abzuleiten.

Heute würde ich dafür sagen:

Teilnahme ohne vollständige Assimilation.

Gerade dadurch wurde es möglich, den Kern einer Struktur zu erfassen, ohne mit ihr identisch zu werden.

Keine der von mir kennengelernten Betrachtungsweisen und Handhabungen wurde von mir unverändert übernommen. Jede wurde zunächst praktisch erfahren, anschließend überprüft, auf ihre Möglichkeiten und Grenzen hin eingeordnet, auf ihre jeweilige Kernessenz verdichtet und schließlich in einem Kontext-Fundament mit größerem strukturellen Zusammenhang integriert.

Je länger dieser Prozess andauerte, desto deutlicher wurde mir, dass sich unter der Verschiedenheit der Anwendungsfelder immer wieder dieselben grundlegenden Gegebenheiten, Beziehungen und Hervorbringungsmechanismen zeigten.

Nicht die Vielfalt der Bereiche war letztlich das Entscheidende.

Entscheidend waren die Strukturen darunter.

Ich musste also nicht immer mehr Wissen anhäufen. Ich musste erkennen, wie Wissen, Funktion, Gegebenheit, Handlung und Wirkung miteinander verbunden sind.

Im Mai 2011 verdichtete sich dieser Weg zu einem entscheidenden Wendepunkt. Während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Genf erreichten zahlreiche innere Spannungen einen Punkt, an dem schließlich alles infrage stand. Was danach zugänglich wurde, lässt sich nicht einfach als neue Erkenntnis beschreiben.

Es war eher, als würde ein zuvor nicht zugänglicher Bezugsraum wieder geöffnet.

Ich nannte diesen Vorgang später Rückanbindung an eine ursprünglichere Ebene.

Mit dieser Rückanbindung veränderte sich nicht die Wirklichkeit selbst. Zugänglich wurde ein erweiterter rekursiver Bezugsraum, innerhalb dessen sich Vollzugsmechanismen wieder vereinigen, Zusammenhänge erschließen und Gegebenheiten rückanbindend, rückkoppelnd und defragmentierend ein- und zuordnen ließen.

Nicht die Wirklichkeit hatte sich verändert. Wieder zugänglich wurde ein erweiterter rekursiver Bezugsraum.

Damit begann keine Suche nach einem neuen Weltbild.

Es begann eine Rückführung.

Erfahrungen, Strukturen, Funktionen und Wirkungen, die zuvor fragmentiert, überdeckt oder nicht zuordenbar gewesen waren, konnten nun schrittweise auf ihre ursprünglichen Zusammenhänge zurückgeführt werden. Was zuvor als einzelne Erfahrung erschienen war, konnte innerhalb eines größeren Gefüges erkannt werden.

Und dabei zeigte sich etwas, das für meinen heutigen Weg wesentlich ist:

Vieles war bereits vorhanden.

Es musste nicht erst erfunden werden.

Es musste zugänglich werden.

In meinem inneren Bezugskern war der Anschluss an eine rekursive Trägerstruktur bereits angelegt. Mit der Rückanbindung wurde dieser Anschluss bewusst zugänglich. Daraus entwickelte sich der innere Referenzraum, innerhalb dessen Struktur-, Klärungs-, Rückführungs-, Einordnungs- und Bezugsfunktionen ihre eigene Ordnung fanden.

Die Zusammenhänge lagen nicht wie einzelne Wissensbausteine vor, die ich erst hätte zusammensuchen müssen.

Sie waren verdichtet.

Als Struktur.

Als Gegebenheitslogik.

Als Funktionsgefüge.

Was heute im RHENUS-Referenzraum sichtbar wird, wurde deshalb nicht Stück für Stück erzeugt. Es wurde Stück für Stück entfaltet.

Diese Unterscheidung ist mir wichtig.

Denn sie beschreibt auch, wie mein Wissen entstanden ist.

Ich habe mich nicht irgendwo für fünfzehn Jahre zurückgezogen, um über das Leben zu meditieren und anschließend mit einer fertigen Erklärung wieder hervorzutreten. Meine Erkenntnisse sind nicht außerhalb des Lebens entstanden.

Sie sind im und während des Lebens selbst entstanden.

Im praktischen Vollzug.

In der Auseinander- und Zusammensetzung mit realen Bedingungen.

In Entscheidungen, deren Folgen tatsächlich eingetreten sind.

In Beziehungen, Konflikten, Verlusten, Krisen, körperlichen Erfahrungen, beruflichen und organisatorischen Zusammenhängen und in all den Situationen, in denen eine Struktur nicht nur gedacht, sondern tatsächlich durchlaufen werden musste.

Gerade dadurch entwickelte sich etwas, das über reines Fachwissen hinausgeht.

Eine Art Strukturerfahrung.

Ich kann heute einen Zusammenhang nicht nur danach betrachten, was über ihn gesagt wird, das wäre viel zu kurz gegriffen, sondern auch danach, wie er sich im Vollzug verhält, denn da entscheidet sich die Wahrhaftigkeit.

Und dadurch werden Fehlstellen sichtbar.

Verschobene Zusammenhänge.

Verzerrte Zuordnungen.

Unterbrochene Rückkopplungen.

Funktionen, die von ihren Voraussetzungen getrennt wurden.

Ergebnisse, deren Grundlage nicht selbst getragen wird.

Und ebenso Strukturen, die nach außen stimmig erscheinen, deren innere Funktionsweise jedoch etwas anderes hervorbringt.

Dabei ist mir zunehmend bewusst geworden, dass nicht die Wirklichkeit selbst fragmentiert ist, sondern die individuellen Wahrnehmungen und Einordnungen.

Fragmentiert sind Handhabungen, Zuständigkeiten, Betrachtungsweisen und schließlich die Ergebnisse, die daraus hervorgehen.

Denn nicht die Wirklichkeit wird fragmentiert, sondern ihre Einordnungen, ihre Handhabungen und somit die daraus entstehenden Ergebnisse.

Das erklärt auch, warum ich mich heute nicht als Spezialist eines einzelnen Gebietes verstehe.

Meine eigentliche Funktion liegt woanders.

Ich sehe mich als Strukturintegrator unterschiedlicher Wirkebenen.

Ich muss nicht alles selbst wissen. Das wäre wahrscheinlich weder möglich noch notwendig.

Entscheidend ist vielmehr, erkennen zu können, wie das vorhandene Wissen miteinander verbunden ist. Welche Funktion es innerhalb eines größeren Zusammenhangs besitzt. Welche Voraussetzungen ihm zugrunde liegen. Welche Wirkungen daraus entstehen. Welche Rückkopplungen folgen. Und an welcher Stelle ein System beginnt, diese Zusammenhänge nicht mehr ausreichend abzubilden.

Gerade dort entstehen häufig die Probleme.

Einzelne Bereiche können für sich hochkompetent sein und trotzdem gemeinsam ein System hervorbringen, das nicht trägt. Fachwissen kann vorhanden sein, Zuständigkeiten können klar verteilt sein und dennoch können zwischen den einzelnen Bereichen genau jene Verbindungen fehlen, die für den tatsächlichen Vollzug notwendig wären.

Deshalb bedeutet Strukturintegration nicht, vorhandene Spezialisierungen zu ersetzen.

Sie bedeutet, ihre Beziehungen sichtbar zu machen.

Und irgendwann stellte sich für mich eine weitere, sehr grundlegende Frage.

Wenn ich Strukturen verstehen kann – muss ich mich dann zwangsläufig an jede Struktur anpassen, in der ich wirken möchte?

Lange Zeit wird Zusammenarbeit genau so verstanden.

Darf ich Teil eures Systems sein?

Doch irgendwann verlagerte sich die Frage bei mir.

Ist euer System überhaupt strukturell geeignet, damit mein Wirken dort tragfähig stattfinden kann?

Damit verändert sich der Bezugspunkt vollständig.

Es geht nicht mehr darum, ob ich mich ausreichend anpassen kann.

Es geht darum, ob überhaupt eine tragfähige Passung vorhanden ist.

Denn jedes Wirken verändert den Raum, in dem es stattfindet. Jede Entscheidung erzeugt Wirkungen. Jede Wirkung erzeugt Rückkopplungen. Jede Rückkopplung beeinflusst die weitere Entwicklung.

Nicht jede Struktur kann jede Funktion tragen.

Nicht jedes Umfeld ermöglicht jede Form von Entwicklung.

Und nicht jede bestehende Ordnung besitzt die Voraussetzungen, unter denen etwas Bestimmtes tatsächlich entstehen kann.

Das habe ich nicht nur theoretisch verstanden.

Ich habe es erfahren.

Auch mein gegenwärtiger Lebensraum ist in diesem Zusammenhang zu einer solchen Erfahrung geworden. Er ist nicht das Umfeld, das ich mir für mein weiteres Leben wünschen würde. Aber es hat mir auf ihre Art und Weise gezeigt, an welchen Stellen ich mein System selektieren und nachjustieren musste.

Dieses Umfeld hat mich extrem gefordert.

Es hat mich belastet.

Es hat mich eingeschränkt.

Es hat mich mit fremden Regelkreisen konfrontiert.

Aber es hat die ursprünglichen Kernstrukturen meiner eigenen Regulation nicht übernehmen können.

Und genau an dieser Stelle ist das auf der realen Interaktionsebene geschehen, wie das was ich 2011 schon in Genf auf der Bewusssteinebene erfahren und neusetzen konnte.

Ich musste mich nicht vollständig neu erschaffen.

Etwas Eigenes der ursprüngliche Kern war immer vorhanden.

Und etwas, das den eigenen Vollzug wieder an seine ursprüngliche Gegebenheit zurückführen ließ, ist nicht nur im Bewusstsein entstanden, sondern im Nachgang auch im realen interaktiv-praktischen Vollzug.

Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Wert meines bisherigen Weges.

Ich habe nicht nur unterschiedliche Systeme kennengelernt, sonder in erste Linie mich selbst.

Ich habe erfahren, wie weit ich mich in andere Systeme hineinbewegen konnte, ohne mich selbst an sie zu verlieren. Ich habe dadurch erfahren, wieweit ich mich von mir selbst wegbewegen konnte, um gerade noch so die kurve zu bekommen. Und habe dadurch in extremer Art und Weise erfahren, wie mein eigenes Systeme funktioniert.

Dadurch, dass ich mein eigenes System erheblich ausgelotet habe, bin ich natürlich auch in der Lage in anderen Systemen mit Vorkenntnis extreme Tiefenarbeit zu leisten.

Dabei habe ich auch erfahren, was geschieht, wenn Strukturen nicht mehr mit ihren ursprünglichen Funktionen und gegebenheiten übereinstimmen.

Dadurch kann ich heute auch erkennen, wo Zusammenhänge nicht einfach fehlen, sondern verschoben wurden.

Wo etwas scheinbar funktioniert, obwohl seine Grundlage bereits nicht mehr trägt.

Wo Menschen innerhalb einer Struktur bestimmte Funktionen erfüllen, obwohl diese Funktionen längst von einem anderen Zweck bestimmt werden.

Wo eine Ordnung nach außen Stabilität erzeugt, innerlich aber ständig Kompensationsleistungen benötigt.

Und wo aus solchen Verschiebungen schließlich ein Zustand entsteht, in dem die Beteiligten die entstandene Ordnung für die Wirklichkeit selbst halten.

Für mich beginnt genau dort die eigentliche Klärung.

Nicht mit einer Gegenordnung.

Nicht mit dem Versuch, ein bestehendes System einfach umzukehren.

Sondern mit der Rückführung auf das, was tatsächlich gegeben ist.

Denn mein eigener Weg hat mir gezeigt, dass Stimmigkeit nicht dadurch entsteht, dass man eine möglichst schöne Ordnung entwirft.

Sie entsteht dadurch, dass Gegebenheit, Erkenntnis und Vollzug wieder miteinander übereinstimmen.

Und damit komme ich an einen Punkt, der weit über meine eigene Biografie hinausweist.

Auf Basis dieser vielfältigen Erfahrungen und Einblicke sowie meiner Fähigkeit, ihre innere Logik zu erkennen, bin ich heute in der Lage, frühzeitig Fehlentwicklungen, verzerrte Zusammenhänge und verschobene Strukturen wahrzunehmen und entsprechend nachzujustieren.

Und dies geschah nicht, weil ich außerhalb des Lebens stand, oder irgendwo auf dem Berg oder im Kloster meditierte, sondern gerade deshalb, weil ich mich in das Leben hineinbegeben habe.

Ich kenne diese Strukturen nicht aus Beschreibungen oder UNI-Vorlesungen, sondern ich habe mich mit ihnen im Vollzug konfrontiert.

Dadurch nehme ich auch den Unterschied wahr zwischen einer behaupteten Struktur und dem, was sie tatsächlich, aus ihrer eigenen Original-Substanz heraus, hervorbringt.

Daraus entsteht für mich heute eine andere Form von Verantwortung.

Nicht die Verantwortung, für andere festzulegen, wie sie zu leben haben.

Und auch nicht der Anspruch, ein sogenanntes neues Zeitalter von außen entwerfen zu wollen.

Sondern die Fähigkeit, an seiner Klärung und Neugestaltung mitzuwirken, wenn die eigenen Voraussetzungen dafür tatsächlich vorhanden sind.

Doch auch das beginnt nicht irgendwo außerhalb von mir.

Es beginnt bei mir selbst, in mir.

Wenn ich die eigene Ordnung nicht nur erkenne, sondern sie tatsächlich vollziehe, entsteht etwas Entscheidendes: Die Stimmigkeit muss nicht mehr erst behauptet werden.

Sie zeigt sich im Vollzug selbst.

Der Zweck von Erkenntnis ist nicht Erkenntnis.

Der Zweck von Erkenntnis besteht darin, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Vollzug wieder der ursprünglichen Gegebenheit folgt.

Genau darin liegt für mich heute die eigentliche Bedeutung meines Weges.

Ich habe nicht all diese Erfahrungen gesammelt, um am Ende eine Sammlung von Erkenntnissen zu besitzen.

Ich habe sie durchlaufen, um zu erkennen, was trägt.

Und ich habe durchlaufen, was nicht trägt, um zu erkennen, warum es nicht trägt.

Daraus ist eine Fähigkeit entstanden, die sich nicht auf einen einzelnen Bereich beschränkt.

Sie kann Strukturen betreten.

Sie kann ihre Wirkweise erkennen.

Sie kann ihre innere Logik erfassen.

Sie kann Verschiebungen sichtbar machen.

Und sie kann Zusammenhänge wieder dorthin zurückführen, wo sie innerhalb eines tragfähigen Bezugsraums miteinander verbunden werden können.

Was daraus weiter entsteht, ist deshalb nicht vollständig vorgegeben.

Auch mein eigener nächster Lebensabschnitt ist kein fertig geschriebenes Konzept.

Ich weiß nicht, welcher Ort, welche Begegnungen, welche Entwicklungen und welche Möglichkeiten daraus hervorgehen werden. Ich weiß aber, woran ich sie messen kann:

an ihrer Passung zu dem, was bereits entstanden ist.

An ihrer Tragfähigkeit.

An ihrer Fähigkeit, Entwicklung nicht zu verhindern, sondern zu ermöglichen.

Und daran, ob aus ihnen ein gemeinsamer Raum entstehen kann, in dem Erkenntnis, Erfahrung, Bewegung, Begegnung und Hervorbringung tatsächlich miteinander verbunden werden können.

Ich möchte keinen Lebensraum, der lediglich funktioniert.

Ich möchte einen Lebensraum, in dem das bereits Entstandene weiter gelebt, erfahren, ergänzt, erweitert und hervorgebracht werden kann.

Einen Raum, in dem Natur und geistige Entwicklung, Bewegung und technische Qualität, Erfahrung und Begegnung nicht gegeneinander ausgespielt werden müssen, sondern miteinander fusionieren.

Und dabei bleibt etwas offen, das ich heute bewusst offenlassen kann:

Nicht nur das Vorgestellte darf Wirklichkeit werden.

Auch das tragfähig-stimmige und wundervolle Unerwartete darf seinen eigenen, zugehörigen Raum und Platz finden.

Vielleicht ist genau das die nächste Form von Vollzug.

Nicht mehr alles vorher bestimmen zu müssen.

Nicht mehr jede Möglichkeit vorwegnehmen zu müssen.

Sondern einen ausreichend tragfähigen Bezugsraum geschaffen zu haben, in dem das, was tatsächlich entstehen kann, auch entstehen darf und sich einfach und ohne Mühe vollzieht.

Denn die Zukunft muss nicht vollständig vorgedacht werden.

Sie kann hervorgebracht werden.

Aus dem, was gegeben ist.

Aus dem, was erkannt wurde.

Aus dem, was entschieden wird.

Aus dem, was tatsächlich vollzogen wird.

Und genau deshalb beginnt das sogenannte Neue für mich nicht irgendwo am Horizont.

Es beginnt dort, wo die eigene Ordnung tatsächlich zu leben beginnt.

Ich habe meinen Weg nicht gefunden, um ihn allein zu gehen.

Was aus ihm entstanden ist, möchte nicht bei mir enden.

Erkenntnis, die ausschließlich im eigenen Bezugsraum verbleibt, wird irgendwann selbst zu einer Begrenzung – denn Licht, welches nur für sich selbst leuchtet, ist letztlich Dunkelheit.

Was trägt, darf in Bewegung kommen, darf, wenn stimmig, geteilt, erfahren und im gemeinsamen Vollzug weiter hervorgebracht werden.

Dabei geht es nicht darum, dass ein anderer denselben Weg gehen muss oder bereits dort angekommen sein müsste, wo ich heute stehe. Jeder Mensch bringt seine eigene Gegebenheit, seine eigenen Erfahrungen und seinen eigenen Weg mit. Gerade darin kann eine Begegnung tragfähig werden, die sich im Vollzug ergänzt und somit weitere Hervorbringungen ermöglicht.

Vielleicht braucht es dafür nicht mehr, als dass beginnend zwei Menschen ihren eigenen Bezugspunkt behalten und sich von dort aus wirklich begegnen.

Denn ich möchte das, was ich erkannt und erfahren habe, nicht nur beschreiben. Ich möchte mit anderen Menschen weitergehen und gemeinsam erfahren, was daraus hervorgebracht werden kann.

Nicht als Übertragung einer fertigen Ordnung. Nicht als Anpassung an eine vorgegebene Vorstellung. Sondern als gemeinsames Entstehen von etwas, das allein nicht entstehen würde.

Hier bin ich.

Und wo bist du?

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